Datum:
05. August 2021
Autor:
Lesezeit: Minuten

Neue Geschäftsmodelle: Disruption als Chance für den Maschinenbau

Der deutsche Maschinenbau nutzt die Möglichkeiten moderner IT vorrangig, um sich zu automatisieren und Prozesse weiter zu perfektionieren. Die eigentliche Frage ist aber: Was kann ich mit digitalen Technologien für meine Kunden tun, was zuvor nicht denkbar war? Eine Revolution mit völlig neuen Geschäftsmodellen ist daher bisweilen ausgeblieben. Doch wie kann es etablierten Maschinenbauern gelingen, disruptive Ideen zu generieren und sich damit zukunftsfähig aufzustellen?

Disruptive Geschäftsmodelle im Maschinenbau

Was sind disruptive Geschäftsmodelle?

Das Wort „disruptiv“ bedeutet laut Definition im Duden „zerstörend“. Darunter versteht man in der Praxis und der Geschäftswelt zusätzlich noch „unterbrechend“ oder „etwas Neues“, das „etwas Altes“ ablöst. Disruptive Geschäftsmodelle bezeichnen neue Geschäftsmodelle, die traditionelle Geschäftsmodelle ablösen beziehungsweise "zerstören" (Disruption = einschneidende, meist zerstörerische Veränderung).*


 * siehe hier auch nativDigital.

Ein Beispiel für solch einen Ansatz ist Spotify. Der Musik-Streaming-Anbieter hat gleich mehrere Geschäftsmodelle vom Markt verdrängt - darunter den Verkauf von klassischen Musik-CDs ebenso wie den kostenpflichtigen Download von Musikdateien. Möglich wurde dies, weil Spotify das eigentliche Bedürfnis von Benutzern erkannt hat. Denn es geht nicht darum, Musik zu besitzen, sondern Musik zu hören. Übertragbar ist dieser Gedanke auf unzählige weitere Bereiche - etwa auf die Mobilität; Stichwort „Carsharing“. Gerade im urbanen Bereich hat dieser Ansatz das Potenzial, traditionelle Bereitstellungsmodelle wie Kauf und Leasing von Pkws zu verdrängen.

 

Wie schützen sich Unternehmen vor Disruption?

Disruption ist im Auge vieler Betrachter ein Bedrohungsszenario und ist als Gefahr auch nicht von der Hand zu weisen. Entsprechend sollten Unternehmen mit hoher Sensibilität den Markt beobachten und sich nicht auf die bisherige Marktstellung verlassen.

Bietet die neue Alternative des Mitbewerbers einen höheren Kundennutzen, ist die Disruption mittelfristig nicht aufzuhalten. Wer nachhaltig erfolgreich sein möchte, ist zur Entwicklung eigener Innovationen gezwungen. Das erfordert viel Offenheit, Weitblick und Mut sowie eine starke Innovationskultur. Ebenso müssen die technologischen Voraussetzungen oftmals erst geschaffen werden.

Wem die Entwicklung eines neuen Ansatzes gelingt, der steht vor einer weiteren Herausforderung: Neues und altes Geschäftsmodell müssen entweder voneinander entkoppelt, aufeinander abgestimmt oder aber miteinander integriert werden. Handelt es sich beim neuen Modell um eine disruptive Innovation, die das eigene, alte Geschäftsmodell disruptieren kann oder soll, ist zudem eine Übergangsstrategie erforderlich. Keinesfalls sollten Unternehmen jedoch von solch einer "Self Disruption" zurückschrecken, denn sie kann durchaus notwendig sein, um das langfristige Überleben zu sichern.

 

So verändert ein neues Geschäftsmodell den Markt

Vielfach gehen Experten davon aus, dass sich die Maschinenbaubranche, getrieben durch neue technologische und digitale Möglichkeiten, radikal verändern wird. Schon heute zeichnet sich beispielsweise ab, dass neue Geschäftsmodelle, welche die Dezentralisierung und Flexibilisierung der Produktion unterstützen, enormes Potenzial besitzen. Disruptive Trends sind unter anderem Subscription und Pay-per-Use. Hierbei werden beispielsweise keine Maschinen mehr gekauft, sondern Produktionskapazitäten flexibel abonniert. Die Ausgaben verlagern sich dadurch von CAPEX (Einmalinvestitionen) zu OPEX (laufenden Betriebsausgaben). Abgerechnet wird beispielsweise nach tatsächlicher Nutzungszeit oder produzierter Menge. Gerade in Zeiten dynamischer Märkte, in denen sich Kundenanforderungen sehr schnell verändern, ist dieses Modell für seine Nutzer ein klarer Vorteil. Es bietet ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit und eliminiert gleichzeitig die bisherigen Investitionsrisiken. Und auch die Maschinenhersteller profitieren, da sie neue Produkte schneller in den Markt bringen und stabile Einnahmen generieren.

Disruptive Ideen finden

Ansatzpunkte für neue, skalierbare Geschäftsmodelle

Startpunkt für neue, skalierbare Geschäftsmodelle ist fast ausnahmslos die Digitalisierung. Im Maschinenbau bildet die Vernetzung von Anlagen über das industrielle Internet of Things (IIoT) die Basis für Innovationen. Eine grundlegende Maßnahme muss es für Maschinenbauer daher sein, ihre Produkte IIoT-fähig zu gestalten.

Im zweiten Schritt sollten Unternehmen hinterfragen, welche Bedürfnisse ihre Kunden jetzt und in absehbarer Zukunft haben und für welche Lösungen die Kunden bereit sind, zu zahlen. Ein Unternehmen kann dann im Grunde zwei verschiedene Wege einschlagen:

  1. Digitale Erweiterung des Geschäftsmodells:
    Weiterentwicklung des bestehenden Geschäfts (z. B. IoT-Befähigung der Produkte und Ergänzung zusätzlicher digitaler Dienstleistungen)
     
  2. Vollständiger Neuaufbau:
    Aufbau eines komplett neuen, digitalen Geschäftsmodells unabhängig vom bisherigen Kerngeschäft (z. B. datenbasiertes Geschäftsmodell)

Letzterer Ansatz ermöglicht die Erschließung zusätzlicher Kundensegmente, stellt Unternehmen jedoch auch vor neue Herausforderungen. Der Fokus muss beispielsweise auf einer optimalen Skalierbarkeit liegen. Das bedeutet, dass selbst bei überproportionalem Umsatzwachstum die Kosten nicht in gleichem Maße steigen dürfen. Im Regelfall erfordert die Entwicklung eines neuen, digitalen Geschäftsmodells Kompetenzen, die in klassischen Unternehmen des Maschinenbaus nicht vorliegen. Es ist daher zielführend, Partnerschaften einzugehen und Teil eines bestehenden Industrie-4.0-Ökosystems zu werden. An dieser Stelle setzt ADAMOS an - eine strategische Allianz aus dem deutschen Maschinen- und Anlagenbau.

Offenheit, Weitblick und Mut

Die Erschliessung neuer Geschäftsfelder ist neben der Weiterführung des traditionellen Kerngeschäfts für den langfristigen Erfolg eines Maschinenbauers essenziell. Und gerade deutsche Mittelständler haben seit Jahrzehnten die Kunst der (R)Evolution bewiesen: Sie verbessern ihre Produkte und auch ihre Prozesse ständig. So gestalten sie die Disruption selbst.

Es lohnt sich genauer hinzusehen, wie Kunden in naher Zukunft agieren werden. Disruptive Geschäftsmodelle führen zu Win-Win-Situationen. Und das ist bereits heute in vielen Bereichen sichtbar: Innovationen zu entwickeln, wird immer wichtiger. Dabei geht es weniger darum, diese zu verkaufen, sondern vielmehr darum, den Mehrwert durch völlig neue Geschäftsmodelle kontinuierlich zu optimieren und das zu vermarkten.

Laut der Universität St. Gallen sind viele disruptive Geschäftsmodelle bereits bestehende Geschäftsmodelle, die in einer anderen Branche zur Anwendung kommen. Über 90 Prozent aller Geschäftsmodellinnovationen sind Rekombinationen aus 55 bekannten Geschäftsmodellmustern. (Vgl. Business Model Navigator)

Die Möglichkeiten, die Digitalisierung und Vernetzung bieten, sind noch lange nicht ausgeschöpft. Durch digitale Lösungen lässt sich die Effizienz von Produktionen enorm steigern. Digitalisierung ebnet den Weg für disruptive Geschäftsmodelle.

 

Mit Koopetition in die digitale Zukunft

Neue Geschäftsmodelle gemeinsam mit Kooperationspartnern zu entwickeln, ist deutlich realistischer als die Umsetzung im Alleingang. Dies wissen auch die Partner, die den digitalen Wandel der Maschinenbaubranche im Rahmen des ADAMOS-Netzwerks gemeinsam bestreiten möchten. Über 20 führende Maschinen- und Anlagenbauer, zehn unterstützende Software-Unternehmen und der Beratungsexperte PwC Deutschland sind bereits Teil der Community.

Die Allianz stellt auch die komplette technologische Basis für die Umsetzung neuer Geschäftsmodelle im Maschinenbau bereit. Dies beinhaltet eine herstellerübergreifende IIoT- und Integrationsplattform für die Vernetzung von Maschinen. Auch ein Marktplatz für die einfache Entwicklung und Bereitstellung digitaler Produkte ist Teil des ADAMOS-Portfolios.




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